Geschichte des Studio-Kino Bernstorffstraße

LICHTBURG-ADOLF KINO-DEULI-STUDIO

1929 entstand durch den Umbau einer Werkshalle der Spiegelfabrik Groß Hamburg in der heutigen Bernstorffstr. 93 ein Kino, welches unter den Namen LICHTBURG (1933-1937), später ADOLF-KINO (1937-1946) -die Bernstorffstrasse hieß bis 1946 Adolfstrasse- firmierte. Das Kino überstand den Krieg unbeschadet und spielte bis Anfang 1961 unter dem Namen DEULI (Deutsche Lichtspiele) vorwiegend als Nachspieltheater die Filme nach, die in der Innenstadt bereits voraufgeführt worden waren. Damit teilte das DEULI das Schicksal vieler Bezirkskinos, die durch die Konkurrenz des aufkommenden Fernsehens aufgeben mussten. Anders als bei vielen anderen Kinos zog in die Räumlichkeiten keine Filiale einer Supermarktkette. Der Besitzer beließ das Kino einfach in seinem Originalzustand, heizte regelmäßig und bewahrte das Kino so vor dem Verfall.

Anfang der 80er Jahre entdeckte das DEUTSCHE SCHAUSPIELHAUS auf der Suche nach einer Ersatzspielstelle -das Haus an der Kirchenalle war renovierungsbedürftig- das Kino, entschloß sich dann aber für die Kampnagel-Fabrik. Aus seinem Dornröschenschlaf geweckt gab es mehrere Interessenten für das Kino, mal sollte es Kleinkunsttheater werden, mal Stadteilkino. Schließlich gab es nach der Schließung des SPIEGEL-Kinos zu der damaligen Zeit kein Kino mehr in Altona.

Ein Investor konnte das Kino samt Nachbarhaus übernehmen. Vor der umfangreichen Renovierung gelang es einem Fotografen drei Tage in dem Geisterkino Aufnahmen zu machen, die von vergangenen Kinojahrzehnten erzählen: Alte Glühbirnen, Werbedias, verrostete Filmrollen, aufgetürmte Stühle. Der neue Besitzer verhandelte mit mehreren möglichen Kinobetreibern und überraschte mit der Verpachtung des neuen Kinos an den damaligen Marktführer, die UFA-Gruppe, die eher als Betreiber von Schachtelkinos der 70er Jahre und dem Abspiel amerikanischer Massenware bekannt war, denn als Betreiber von Filmkunst- oder Stadtteilkinos.

Die Kino-Backstein-Fassade, bei der Erbauung des Kinos vor die eigentliche Hausfassade gesetzt, verschwand, aus dem ehemaligen Balkon wurde ein zweiter Kinosaal und aus dem Nachbarhaus wurde 1994 ein Atrium, in dem Feste und Kleinkunst ein zu Hause fanden. Ein kleines Kinomuseum mit dem alten Kassenhaus des DEULI-Kinos fand hier ebenfalls Platz. Die UFA setzte ab Wiedereröffnung im Jahr 1989 im STUDIO ein neues Konzept um, zeigte in ihrem STUDIO ARTHOUSE anspruchsvolle Filme, oft gemeinsam mit Kinos wie HOLI, PASSAGE, ABATON oder später auch den ZEISE-KINOS.

Mit dem allgemeinen Niedergang der UFA-Gruppe wurde das Kino am 29.12.2002 durch den Insolvenzverwalter geschlossen. Am 27.12.2004 wurde das STUDIO-KINO von den Vereinigten Kino Betrieben als Programmkino mit neuem Konzept betrieben. Im neuen STUDIO-KINO hatten jetzt lesbische und schwule Filme, Kinderkino, Kinderwagenkino, Filmnächte und Kurzfilme ein Zuhause gefunden. Gezeigt wurden die kleinen „anderen Filme“, die den Weg nicht mehr in die Spielpläne von ABATON oder ZEISE gefunden hatten, viele deutsche Filme und natürlich Filme aus dem Stadtteil, ROCKER, GEGEN DIE WAND, AUF DER ANDEREN SEITE, KLEINE FREIHEIT, CHIKO u.v.a Am 18.06.2008 war der letzte Spieltag, da das Gebäude abgebrochen werden soll. Das Team des Kinos hoffte anfangs auf eine Rückkehr an anderer Stelle. Im Gespräch waren Räumlichkeiten in der alten SCHILLEROPER. Inzwischen ist aber klar, dass das Kino am Standort Bernstorffstrasse bleiben kann. Nach Umbau- und Renovierungsarbeiten soll das studio-kino wieder öffnen...